L’Aquila

L’Aquila und seine Geschichte
Als Hauptstadt der abruzzesischen Region erhebt sich L’Aquila im Aternotal im Schatten des Gran Sasso 721 m. ü.d.M.
Seine Charakteristiken sind: ein gesundes Klima, eine mittelaterliche Stadtform, die traditionelle Gastfreundlichkeit und Kultur, Zeugnisse der Kunst, die ihre Geschichte erzählen; dazu kommen verschiedene kulturelle und wissenschaftliche Initiative, die durch das akademische Leben, die Museen, die Konzert- und Theatersaison angeregt werden.
Schließlich gibt es noch gute Sportanlagen, Wander- und Ausflugmöglichkeiten in der Umgebung, eine herrvorragende Gastronomie, Handwerk und Folklore.
Ringsherum am Horizont ragt eine Krone von Bergen, von deren Hänge die Einwohner der neunundneunzig “castella” (Festungen) herunterkamen, um im Jahre 1254 auf Befehl des Kaisers Friedrich von Schwaben die Stadt L’Aquila zu gründen, die “groß, schön und stark” werden sollte.
Die Urbewohner der Kastelle, Epigonen der stolzen Völker des Tales, waren die Gründer der blühenden Sabiner und Vestiner Städte gewesen, die später unter Römische Ordnung fielen und in den darauffolgenden Jahrhundert durch die Barbareninvasionen zerstört wurden.
Im Jahr 1257, nur drei Jahre nach der Gründung war L’Aquila schon ein Bischofssitz; im Jahr 1272 erbaute dort Tancredi da Pentima die “Fontana delle 99 Cannelle” (Brunnen mit 99 Wasserspeiern).
Im Jahre 1294 fand dort die Krönung des Papstes Coelestin V. statt, zu der berühmte Herrscher, Kirchenfürsten, Würdenträger, Literaten und Dichter, darunter Dante Alighieri, kamen, und dazu eine Menschenmenge von zweihunderttausend Personen.
Auch die Herrschaft der Aragonier, die der des Hause Anjou auf dem Thron Neapels folgte, änderte das Schicksal der Stadt nicht. Auch wenn sie von Kriegen und harten Besetzungen heimgesucht wurde, wie die des Fortebraccio da Montone im Jahre 1424, oder von Erdbeben und Pestepidemien geschwächt wurde, sah die Hauptstadt des Reiches sie eher als eine Verbündete als eine untergebene Stadt.
Die Stadt wuchs in wirtschaftlicher und kultureller Blüte; die Schafzucht mit der Woll- und Fellverarbeitung, der Safranpfefferanbau, die Kunst der Klöppelspitzen und der Metalle nährten die wirtschaftlichen Beziehungen mit den wichtigsten europäischen Städten.
Im 15.ten Jahrh. erhielt sie das Privileg, Münzen zu prägen, wurde eine Universität gegründet mit den gleichen Vorrechten der berühmten “Studi” von Bologna, Siena und Perugia und eine Druckerei, eröffnet durch Adam von Rottweil, einen Schüler des Erfinders der Buchdruckerkunst. Maler, Bildhauer, Storiker und Dichter ließen die Spuren ihres Genius zurück, während im allgemeinen Aufblühen von Initiativen sich eine glühende Geistlichkeit verbreitete, die durch die Anwesenheit des Hl. Bernhardins von Siena genährt wurde.
Im 16.ten Jahrh. zeugt der Bau der Spanischen Festung noch von dem Unabhängigkeitsgeist der Stadt, die sich im 18.ten Jahrh., trotz des schwerwiegenden Erdbebens im Jahre 1703 das über 6000 Opfer forderte, gegen die Franzosen erhob.
Die revolutionären Bewegungen für die Einheit Italiens sahen sie noch einmal im Vordergrund mit einer ansehnlichen Anzahl von Patrioten und mit dem Geist, der schon immer die glorreichen Begebenheiten seiner tausendjährigen Geschichte genährt hatte.
L’Aquila, eine Stadt der Kunst
Die Stadt bewahrt zahlreiche Zeugnisse ihrer antiken und blühenden, mittelalterlichen Stadtgemeinde und wertvolle Kunstwerke aus Romanik und der Renaissance.
Eines ihrer herrvorragendsten Denkmäler ist die Basilika S. Maria di Collemaggio (13.ten Jahrh.), ein Meisterwerk der romanisch-gotischen Stils der Abruzzen mit einer Faßade aus weißen und rosa Steinen.
Im romanisch-spitzbogigen Innern, das sich in drei Schiffe aufteil, bewahrt man in einem Mausoleum im Renaissancestil die Gebeine des Papstes Coelestin V. auf, des Förderers des Baus der Basilika, der dort am 29. August 1294 von Karl II. von Anjou zum Papst gekrönt wurde. Auf der linken Seite der Basilika befindet sich die Porta Santa (das heilige Portal), die jedes Jahr am 28. August, nach der historischen Prozession der Perdonanza Celestiniana (die Vergebung Coelestins), geöffnet wird. Die Basilika des Hl. Bernhardins von Siena ist eines der bedeutenstenden Denkmäler der Renaissancearchitektur der Abruzzen.
Die kühne Faßade, die sich in drei übereinanderliegenden Ordnungen erhebt, wurde nach der Zeichnung des Architekten Nicola Filotesio, Cola d’Amatrice gennant, erbaut. Im Innern, das im 18.ten Jahrh. in barockem Stil wiederaufgebaut wurde, befinden sich: die Decke und die Orgel aus geschnitztem Holz, die von Ferdinando Mosca da Pescocostanzo im 18.ten Jahrh. vergoldet und bemahlt wurden; das Mausoleum des Hl. Bernhardins (16.ten Jahrh.), wo der intakte Körper des sienesischen Heiligen aufbewahrt wird, ein Werk des Bildhauers und Architekten Silvestro dell’Aquila; das Grabmal der adeligen aquilanischen Dame Maria Perejra Camponeschi; ein Altarbild aus emailliertem Ton von Andrea della Robbia und ein polichromes Tonbild, auf dem die Mutter Gottes mit ihrem Kind dargestellt ist, ein Werk Silvestros dell’Aquila.
Il Castello Cinquecentesco (das Kastell aus dem 16.ten Jahrh.) ist die großte Festung der Region und wurde im Jahre 1534 auf Befehl der spanischen Herrschaft nach einer Zeichnung des Ingenieurs Don Pirro Luis Escribà erbaut.
Der mächtige Bau, ein typisches Beispiel der militärischen Architektur, erhob sich auf Kosten der Bewohner von L’Aquila, um sie für ihren Aufstandversuch gegen die spanischen Garnisonen zu bestrafen.
Heutzutage beherbergt es das staatliche Museum der Abruzzen, mit verschiedenen Abteilungen, die von der Prähistorie über die heilige Kunst bis zur gegenwärtigen Kunst gehen.
In zwei Bastionen befinden sich ein Auditorium und ein Kongreßsaal.
Die Fontana delle 99 Cannelle (14.ten Jahrh.) von Tancredi da Pentima ist noch heutzutage eines der suggestivsten, italienischen Denkmäler.